Warum Terrorbekämpfung oft sinnlos ist

ÜberwachungskameraWie viele von Euch sicher wissen, ist eine in den letzten Jahren sehr beliebte Begründung (oder sollte ich „Ausrede“ sagen?) um Überwachung durchzudrücken stets das Stichwort „Terrorismus“ gewesen. Natürlich waren die Anschläge des 11. September sehr verheerend, für die Amis gar ein regelrechtes neues Pear Harbor. Es sind gegen 3000 Menschen gestorben und die Schuld wird allgemein dem „Internationalen Terrorismus“ zugeschoben.

Man ersetze den Begriff „Terrorismus“ durch „Kommunismus“ vergleiche aktuelle Texte über das Terror-Thema mit einschlägigen Texten aus der Zeit des kalten Krieges. Dann denke man an den Roman 1984 und wie dort mitten in der Handlung der Feind plötzlich ausgetauscht wird… Aber ich schweife ab!

Im Laufe der letzten Jahre wurden im Zuge des „Kriegs gegen den Terrorismus“ etliche Überwachungsmassnahmen eingeführt. Für intelligente Argumente die gegen diese meist übertriebenen Zwangsmassnahmen (denn macht man nicht mit, macht man sich verdächtig) sprechen, interessiere ich mich sehr. Einige Gute fand ich bei der Lektüre eines Interviews von Telepolis mit dem Physiker Werner Gruber. Ich erlaube mir daraus kurz ein paar knackige, aus dem Zusammenhang gerissene, Aussagen zu zitieren:

Die große Terrorwarnung und das Versprechen von Sicherheit, das ist doch Blödsinn. Diese Kontrollen an den Flughäfen sind eine unsinnige Belästigung der Passagiere. […] Wenn jemand gut ist, bringt er jederzeit ein Flugzeug zum abstürzen. Ich kann mich gegen Terrorismus, vor allem gegen Selbstmordattentäter, nicht schützen. Wenn das jemand sagt, kann ich nur erwidern: Keine Chance! Sobald jemand bereit ist, sein Leben zu opfern, kann er ein Attentat durchführen.

Ich denke wir Piraten sollten uns für ein sinnvolleres Risikodenken einsetzen. Es kommen heute soweit ich weiss mehr Leute im Strassenverkehr als durch Attentate im Zusammenhang mit Flugzeugen ums leben. Und das selbst dann, wenn man den 11. September als Durchschnittstag betrachten würde! Trotzdem fahren die meisten täglich bedenkenlos Auto, Bus oder Fahrrad. Natürlich ist das psychologisch erklärbar: Der Tod durch Terror ist scheinbar wahllos, beim Auto- und Fahrrad-Lenken habe ich jedoch die Illusion, selber Herr der Lage zu sein. Bei Bus und Bahn (und natürlich auch beim Flugzeug, wenn wir uns mal auf Unfälle beschränken) habe ich zumindest einen Chauffeur, dem ich den Unfall als „Menschliches Versagen“ in die Schuhe schieben kann.

Der einzige Ausweg ist eine politisch stabile Lage, in der die Menschen ihre Lebensträume verwirklichen können, und ein ruhiges und zivilisiertes Leben haben, ohne Furcht und ohne Angst. Das ist das Einzige, was wirklich etwas nützt.

[…]

Ich möchte lieber in einer Welt leben, wo ich entspannt von einem Ort zum anderen reisen kann, weil ich weiß, dass es allen relativ gut geht. Und wenn es allen gut geht, dann gibt es keinen Terrorismus. Das zeigen die historischen Erfahrungen. Es gibt nur eine politische Lösung.

Wenn man das ganze Geld, das in Sicherheitstechnik investiert wird, wenn man diese gewaltigen Summen in Schulen und gute Ausbildungen in den entsprechenden Ländern investieren würde – allein die Kosten für die vielen Scanner auf allen Flughäfen weltweit und deren Betrieb – das wäre viel sinnvoller. Einzelne Verrückte wird es immer geben, aber wenn man den Menschen in einer Gesellschaft insgesamt eine positive Zukunftsaussicht gibt, dann trocknet das die Unterstützung für den Terror aus.

Und da sind wir dann sogar bei den sogenannten Amokläufern. Auch die wird man nie komplett verhindern können. Die machen das nicht wegen gewaltverherrlichenden Medien (Video- oder Rollen-Spiele, Filme, Bücher oder Musik), die machen das aus einer persönlichen Krisensituation heraus. Und so etwas kann man zwar durch vorbeugende Massnahmen minimieren, aber nie ganz ausmerzen. Auch sind Amokläufer kein neues Phänomen. Ein früher Fall war z.B. der eines Deutschen Lehrers der 1913 in der Nähe von Stuttgart vierzehn Menschen umbrachte. Auch dazu hat Telepolis einen spannenden Artikel.

Statt also Schüler, Jugendliche oder Personen in der Öffentlichkeit immer schärfer zu kontrollieren und hart durchzugreifen, sollten wir jedem eine Chance geben und gezielt fördern. Mein Mitkandidat Marc Wäckerlin beschreibt das sehr gut in seinem Beitrag auf Politnetz. Die Frage muss einfach lauten: Stehen die Schutzmassnahmen in einem gesunden Verhältnis zur potenziellen Schutzwirkung und der damit verbundenen Verminderung der Freiheit der zu Schütztenden?

Braucht es wirklich Nacktscanner an Flughäfen?
Sollen Passagiere in Zukunft, wie im Film „Das fünfte Element“, nur noch narkotisiert befördert werden?
Braucht es wirklich an jeder Ecke eine Überwachungskamera und leben wir dadurch wirklich sicherer?
Wird die Jugend wirklich immer Gewalttätiger?

Ich finde nicht!