Spiele töten nicht, sondern Waffen

The Knotted Gun by Carl Fredrik Reutersward at the United Nations in New YorkIch unterstelle einfach mal, dass sowohl Gegner wie auch Befürworter der Initiative zum Schutz vor Waffengewalt (die Abstimmung vom 13. Februar) im Kern aus emotionalen Gründen so scharf dafür oder dagegen sind. Beide Positionen versuchen mit logischen Argumenten ihre Position zu legitimieren. Und darum führen wir jetzt eine Volksabstimmung durch, weil es eben kein Wahr oder Falsch, sondern sehr viele verschiedene Aspekte und Perspektiven dieses Themas gibt. Es wird sich eine Mehrheit dafür oder dagegen finden und das wird dann nicht die perfekte und logische Lösung sein, aber eine, die für die meisten Bürger stimmt.

So und nun zum rant:

Persönlich bin ich klar für diese Initiative. Und zwar aus einem ganz naiven und emotionalen Argument: Waffen haben keinen „dual use“.

Jeder Amok-Läufer der letzten Jahre hat stets mit Waffen getötet (und nicht weil er Shooter spielte). Und gerade Leibacher hat seinen Amoklauf gezielt gegen die Regierung begangen, weil er mit ihr nicht zufrieden war und keinen anderen Ausweg mehr sah um diese mit legalen Mitteln zu bekämpfen.

Natürlich hätte er auch ein Messer verwenden können. Aber ein Messer oder ein Hammer oder eine Kettensäge oder ein beliebiges anderes Werkzeug wird hauptsächlich als Werkzeug benutzt, das Morden ist dabei nur ein „dual use“, eine alternative Verwendung. Aber mit einem Gewehr kann ich nur zerstören, sei es eine Zielscheibe, ein Tier oder einen Menschen.

Es dürfte jedem klar sein, dass der Hauptverwendungszweck einer Waffe darin liegt, etwas zu töten. Und auch die Armeewaffen wurden ja genau zu dem Zweck abgegeben: Ein hypothetischer Feind soll davon abgeschreckt werden, uns anzugreifen, weil er bei uns an jeder Strassenecke fürchten muss, von einem Volk von Scharfschützen umgebracht zu werden. Und diese Argumentation kann man vor dem Hintergrund der Weltkriege und des Kalten Krieges sogar irgendwie verstehen. Aber heute doch nicht mehr. Nicht seit Anfang der 90er Jahre.

Und die Argumentation, die Waffe halte die Politiker im Zaum: Heisst das ihr pullt einen Leibacher, wenn der Nationalrat nicht spurt? Ihr macht einen auf Wilhelm Tell, wenn Euch der Blocher nicht passt? So sehr ich einige Politiker hier im Land hasse, ich hoffe doch, ihr meint das nicht ernst.

Meine persönliche Weltanschaung ist halt, dass eine Armee dazu dient staatlich sanktionierte Mörder auszubilden. Ja, ich nenne Soldaten Mörder, denn ich kann mir keine Legitimation des Tötens von Menschen vorstellen, ausser Notwehr (und selbst da ist es oft zweifelhaft). Und bei einem bewaffneten Konflikt wird dieses üblicherweise akzeptierte Tötungsverbot dann einfach so ausser Kraft gesetzt, weil es ja angeblich um Leben oder Tod gehe. Eine Armee hat auch keine demokratische Legitimation: Offiziere werden nicht gewählt, sondern von oben herab eingesetzt. Warum soll also irgendwer in der Armee das machen was man ihm sagt? Ihr seht, mir widerstrebt das ganze Konzept einer Armee von Kopf bis Zeh.

Natürlich macht es auch Spass wie die Waffen knallen und den Jagdtrieb beim Schiessen auf Ziele zu befriedigen. Ich kann das sogar sehr gut verstehen. Ich liebe Shooter-Games. Besonders die ganzen 2-Weltkriegs-Simulationen. Oder Strategiespiele: Ei, was für eine Freude Atomraketen auf eine gegnerische Zivilisation niederregnen zu lassen. Aber ich spiele diese Spiele im sicheren Wissen, das es eben nur Spiele sind und dabei niemals wirklich ein Mensch oder Tier zu schaden kommt. Darum meine Meinung: Ersetzt Sportschützenvereine durch Paintball-Ranges oder Arcade-Hallen, die Armee durch einen zivilen Dienst und nehmt den staatlich ausgebildeten Assassinen die Mordinstrumente weg.